Platz des Denkers
Neulich lag ich abends im Bett und konnte nicht einschlafen. Ich denke, jedem ist die Situation schon einmal widerfahren, dass man wach daliegt und sich Gedanken über die vergangenen Stunden und Tage macht. Manch einer denkt sogar über seine letzten Jahre nach. Nicht die letzten Jahre, bevor er unter die Erde wandert, sondern die Jahre bis zum aktuellen Tage, der eigentlich zu neige geht. Ich habe mir in so einer Phase kürzlich überlegt, wieso eigentlich genau vor dem Einschlafen die direkten und harten Gedanken in den Kopf steigen. Die Schlafforscher befassen sich ja teilweise auch damit, um Rückschlüsse und Ursachen auf und von Schlafstörungen zu finden. Natürlich denken diese Jungs und Mädels weiter als meine Wenigkeit.
Was einleuchtet, ist die Tatsache, dass der Körper kurz vor dem Einschlafen seinen Energieverbrauch senkt und sich alle Muskeln zu entspannen beginnen. Umhüllt einen dann noch eine fast totale Dunkelheit und/oder die Augen sind bereits geschlossen, so hat unser Hirn mehr Platz und Rechenzeit für Gedanken und Überlegungen. Das behaupte zumindest ich, da ich daran glaube, dass die gezielte Hirnaktivität in einer höheren Effektivität und Effizienz resultiert. Nur schon durch die reduzierten Steuerungsoperationen für die Körperteile und die optische Erfassung der Umgebung lässt sich eine Steigerung der Konzentration erzielen. Es wäre interessant, ob ein Prüfungskandidat besser abschneiden würde, wenn er im Halbschlaf und bei völliger Ruhe (liegend) dem Prüfer die Fragen mündlich beantworten könnte. Liebe Unistudenten, macht mal so einen Versuch!
Doch kommen wir zurück zum Orte des Geschehens. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Bett der optimale Ort für eine Lösungsfindung ist. Dies trifft auf eigene Probleme zu, auf Probleme bei der Arbeit und auch auf zwischenmenschliche Probleme. Für mich war dieser Platz schon einige Male Ursprung von sensationellen Ideen und guten Lösungsansätzen bei Problemen. Natürlich denke ich da auch immer wieder über mein ganzes Leben nach. Welche Situationen waren am Schönsten? Welche hätten besser ausfallen können? Was möchte ich in nächster Zeit erreichen? Fragen über Fragen, auf die man erst in Geborgenheit eingehen will. Sei dies im Dunkeln unter der warmen Decke oder in den Armen eines lieben Schatzes, der mithilft, das Leben erträglicher zu machen und eine Stütze in allen Lebenslagen darstellt. Leider ist die zweite Variante zur Zeit ausser Betrieb, aber im Allgemein halt doch gültig.
Ich habe mir dann auch mal überlegt, ob es noch andere Orte gibt, wo sich die tiefsten Gedanken aus dem Kerne lösen und ans Tageslicht durchdringen möchten. Ein weiterer solcher Platz ist mir spontan eingefallen. Unter der Dusche ist ebenfalls ein heimlicher, stiller Ort zu finden, wo der Alltag dahinschmilzt und der Fokus auf einen selber fällt. Man steht nackt da, schmiegt sich an den warmen Strahl von Wasser und versucht alle Wärme zu bündeln. Mit geschlossenen Augen und Shampoo auf dem Kopf steht man da, lauscht dem rauschenden Wasser und versinkt in einem Wasserfall der Gefühle. Entfernt tönt die Musik und ein leichtes Summen kommt über die Lippen. Einige mögen sogar textlich noch ins Lied einstimmen, aber in gedankenvollen Momenten ist rundherum alles Leere. Genau diese Leere und das Nichts sind für die tief schlummernden Gedanken ein Zeichen, sich zu aktivieren. Auch unter der Dusche lassen sich prima Lösungen für Probleme finden.
Die Suche nach weiteren Plätzen gestaltet sich nicht sonderlich einfach. Der gemeinsame Nenner beider erwähnten Orte ist, dass man an beiden Orten (meistens) alleine ist, umgeben von einer gewissen Wärme, welche einen beschützenden Einfluss auf den Körper ausübt. Des Weiteren ist der Körper in dieser Zeit nicht sonderlich aktiv. Mit diesen Kriterien weitergesucht, wäre wohl einer der nächsten zu prüfenden Orte ein Strand, irgendwo im warmen Spanien. Der Zufall will es, dass uns genau da unsere Diplomreise hinführt. Allerdings habe ich bereits Stranderfahrung sammeln können. Unter der Bedingung, dass man alleine am Strand lieg, mit einem Buch in der Hand, kann man optimal abschalten. Irgendwann hat man allerdings genug von der meist fiktiven Geschichte gelesen und man beginnt wegzuträumen. Teilweise beinflusst vom eben gelesenen, begibt man sich wieder auf die Reise in eine Traumwelt. Doch Obacht: Sonnenbrandgefahr!
Die Frage stellt sich nun, ob es nicht auch möglich ist, an kalten Orten seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Meine Meinung ist: Es ist möglich. Ein mögliches Beispiel ist der Sessellift. Während man alleine den Berg hochfährt, sieht man auf die Piste runter, wie hunderte andere die Piste runterwuseln. Man prüft den Schnee und nimmt sich für die nächste Abfahrt eine Route vor. Man sieht sich selber den Berg runtercarven, sich so weit in die Kurven zu lehnen, dass die Skier bald den Kontakt zum Schnee verlieren. Schwung um Schwung den Hang hinunter. In meinen Augen ist die Temperatur nicht entscheidend für den Denkapparat. Viel wichtiger ist das personelle Umfeld. Mit einer gewissen Einsamkeit ist es meist schon getan, um in eine andere Welt abzudriften, wo die Gedanke zu Tage gefördert werden, welche man sonst meistens verdrängt. Und genau diese Minuten bringen einen grossen Fortschritt mit sich. Das Bewusstsein, die Entschlüsse und Beschlüsse, die Reinheit der Gedanken treiben uns voran und lassen alte Bürden liegen. Und nur wer wenig Bürden mit sich trägt, lebt sein Leben locker und leicht. Drum liebe Leute, vergesst die Macht des Denkens nicht!
Euer Denker
Marco
Der Bahnhof
Wer kennt das Gefühl nicht, am Morgen am Bahnhof noch schlaftrunken dem Perron entlang zu gehen und sich dabei über andere Leute aufregen zu müssen. Da gibt's die Gruppen - vorzugsweise junge Frauen - welche sich bereits in der Frühe lautstark über Gott und die Welt unterhalten können und mit ihrem Gequassle keine Rücksicht auf die müden Pendlern nehmen. Ebenfalls störend sind jene Leute, welche mit (Roll-)Koffern, welche unerwartet stehen bleiben. Meistens ist eine Notbremse nötig, um nicht über den Koffer zu stolpern oder man versperrt oder schneidet selber anderen Leuten den Weg.
Aber auch gegen den Abend sind hunderte, irrwitzige Gestalten unterwegs. Die Businessleute zähle ich auch dazu. Meist hochgestylte Lackaffen, welche mit Nadelstreifenanzug, Aktentasche und topmoderner Frisur durch die Gegend stiefeln und mit dem Blackberry ihr Geschäft mit nach Hause nehmen. Dann gibt's halt auch die Leute, welche sowieso nur am Bahnhof rumhängen, weil sie nichts Besseres zu tun haben. Natürlich lassen sich auch noch weitere Leute beobachten, die immer wieder für ein Lacher gut sind. Aber ein Bahnhof hat noch mehr zu bieten.
Ein Bahnhof ist nämlich auch ein Ort, wo man sich entscheiden kann, wohin man geht. Es entscheidet sich eigentlich von selbst. Entweder man steigt in einen Zug oder man entfernt sich zu Fuss von den Schienen der grossen, weiten Welt. Stillstand gibt's am Bahnhof nicht. Der Weg, welchen man einschlägt, wählt man selber. Aber manchmal trügt der Schein und man hat die Kontrolle total verloren. Dann fährt das Leben an einen Ort, wo man eigentlich nicht landen möchte. Und irgendwann ist man an der Endstation angelangt, auch wenn für andere die Reise da noch weiter geht.
Ich steh zur Zeit auch an einem Bahnhof. Bald muss ich mich entscheiden, wohin mich der berufliche Weg führt. Das Studium neigt sich dem Ende zu und die Jobsuche geht los. Sicher ist, dass ich in Richtung Software-Entwicklung gehen möchte. In welcher Branche das sein soll, ist noch nicht entschieden. Etwas mit Bildverarbeitung wäre sicher enorm spannend, aber auch anspruchsvoll. Diese Veränderung im Leben wird weiterreichende Konsequenzen mit sich bringen. Ein Auszug aus Hotel Mama wird sicher bald anstehen. Dann wäre auch eine Veränderung im Liebesleben eine schöne Abwechslung. Ebenfalls ein grosser Bahnhof. Viele Gleise, aber nur ein Zug in Sicht. Ob der aber nicht - einmal mehr - vor der Nase abfährt, steht nirgends geschrieben. Der Fahrplan "Leben" existiert nur in groben Zügen.
Auf dass alle Züge planmässig fahren mögen und keiner zu früh entgleist oder an seiner Endstation ankommt.
Euer Blogger
Marco
Winterstimmung
Ja, die liebe Winterstimmung ist bislang noch überhaupt nicht aufgekommen. Weder im Dezember letzten Jahres, noch heuer im Januar. Für ein geborenes Winterkind ist dieser Umstand natürlich nicht haltbar. Ich kann mich nicht mehr dran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Geburtstag gefeiert habe, ohne eine weisse Landschaft draussen zu erblicken. Während andere Orte im Schnee versinken, bleibt die Schweiz grösstenteils schneefrei. Ob dies auf die Klimaerwärmung zurückzuführen ist, ist eine vage Vermutung. Wieso schneit's dann an Orten, wo normalerweise in hundert Jahren kein Schnee fällt?
Meine These fällt wieder einmal in die Kategorie "nicht beweisbar". Das sind übrigens jeweils die Thesen, welche nicht massentauglich sind. Meine Vermutung ist, dass sich die Erde und die Atmosphäre zwar erwärmen, allerdings der Schneefall dadurch nicht beeinträchtigt werden sollte. Entscheidend für den Niederschlag sind bekanntlich auch die diversen Winde, welche unterschiedliche Wolkenmassen aufeinanderprallen lassen. Die Kanäle, in denen der Wind hauptsächlich fliesst, ändern ihre Position nicht so schnell, auch wenn sich die Gebirge natürlich leicht bewegen. Logischerweise bedeutet dies, dass die Hoch- und Tiefdruckgebiete immer an den gleichen Stellen zu Niederschlag und Schneefall führen.
Somit wäre bereits einmal geklärt, dass Regen und Schneefall von den Gebieten her immer an denselben Orten sein sollte. Das nächste Thema wäre nun die Klimaerwärmung: Dass die Erde unter der Haube ein wenig wärmer wird, kann man nicht leugnen. Doch wie wir in der Schule gelernt haben, dehnt sich ein Gas bei Erwärmung aus. Doch wo geht das Gas hin? Die Atmosphäre hält ja den grössten Teil unserer Luft in Erdnähe. Also kann man das System näherungsweise als abgeschlossen betrachten. Jetzt gibt's die Möglichkeit, dass sich die Atmosphäre ausdehnt, da der steigende Druck sie dazu drängt. Dies hätte wiederum den Effekt, dass die Luft wieder abkühlt und kein grosser Temperaturanstieg vorhanden ist. In diesem Fall müsste der Schneefall in etwa gleich bleiben.
Passiert diese Ausdehnung aber nicht, so steigen die Druckverhältnisse auf der Erde. Der Druck steigt zwar überall gleichmässig an, aber das entscheidende ist nun, dass durch die unterschiedlichen Druckverhältnisse die Wolkenbildung und deren Entladungen auch an anderen Orten auftreten kann. Angenommen die Wolken laden deshalb enorm viel Schnee in Spanien ab, so sind die Verhältnisse über Schweizer Boden relativ entspannt und führt im Flachland zu Trockenheit im Winter. In den Bergen schneit es aber dennoch viel, da die Landschaft den Wolken schnell wieder Energie zuführen und diese sich neu entladen. Vielleicht sollten sich die Metereologen einmal in diese Richtung weiterforschen.
Selbst wenn meine Theorie nicht zutrifft und für die Tonne ist, eines ist sicher: Fehlender Schnee stürzen Winterkinder in eine tiefe Depression. Folge deren sind mangelnde Motivation bei der Arbeit, körperliche Beschwerden und Gewichtszunahme (Stichwort Frustschoggi). Meine Wenigkeit stürzt sich jetzt auf den Naschkasten und vernichtet eine Tafel Milchschokolade.
Euer Wetterfrosch
Marco Senn
Die erfolgreiche Reanimation?
Das Leben ist doch immer wieder eine Wunderkiste. Wohl niemand hätte geglaubt, dass in diesem Blog - der eigentlich gar keiner ist - je wieder Aktivität herrschen würde. Dennoch wurde ich immer wieder gefragt, wann endlich der nächste Beitrag folgt. Ich wusste es selber nicht. Ich bin in ein grosses Sommerloch gefallen und - so scheint es - erst jetzt wieder daraus emporgeklettert. Wie lange der Elan anhalten wird, weiss keiner. Doch was hat mich dazu bewegt, wieder einmal in die Tasten zu hauen?
Bevor diese Frage beantwortet werden kann, muss erst erwähnt werden, dass die Lust am Bloggen im Sommer weg war. Dies liegt einerseits an den sommmerlichen Bedingungen und andererseits war mein Programm zusätzlich relativ gut ausgelastet. In dieser Zeit ging alles ein wenig in Vergessenheit. Ende Jahr ergaben sich Umstände, welche mich zufriedener stimmten und immer noch stimmen. Vielleicht bekommt dieser Blog auch dank der angestiegenen Lebensfreude eine zweite Chance. Es heisst ja nicht umsonst: Totgeglaubte leben länger. Des Weiteren ist heute ein höchst seltsamer Tag. Ich fühle mich glücklich und zufrieden, aber ich bin auch sehr nachdenklich und "deprimiert".
In dieser gedankenvollen Phase stellt man sich halt immer wieder Fragen. Führe ich mein Leben, wie ich das möchte? Was sollte ich anderst machen? Welche Ziele setze ich mir als Nächstes? Welche Fehler habe ich begangen und begehe ich gerade? Viele Fragen, auf die es mehrere oder keine Antworten geben kann. Ehrlich gesagt hätte ich gar keinen Grund, mir Gedanken zu machen. In der Wohlfühlskala stehe ich so hoch wie schon lange nicht mehr. Es läuft im Studium, Job und Job (ja, 2x!) rund und auch auf privater Ebene fühle ich mich pudelwohl. Bevor irgendwelche Vermutungen angestellt werden und Gerüchte aufkommen: Ich bin immer noch Single!
Nun, die nächsten Schritte sehen eher düster aus. Der Tag nähert sich, wo man schlagartig wieder ein Jahr älter wird. Der Mensch ist doof, in Einheiten von 365.25 Tagen zu rechnen. Erstens ist man doch immer so alt, wie man sich benimmt <:o) und zweitens ist das Alter eine Einheit, die nirgends verwendet wird, ausser bei Dingen, wo es eine Limite darstellt, die meistens nicht wasserdicht eingehalten wird und die Leute dazu verleitet, sich altersmässig zu verändern. Ein Kilo kann man nicht verändern, einen Meter kann man nicht verändern und einen Liter kann man nicht verändern. Wieso also spielt man mit dem Alter? Um Dinge zu erreichen, die noch nicht für einen gedacht sind. Deshalb bin ich für die umgehende Auflösung des Alters und für die Einführung einer Reifeprüfung. Dies gelte für Alkohol und andere Drogen, für die Fahrprüfung, für das Stimmrecht und für alles andere auch. Was das für ungeahnte und hochinteressante Möglichkeiten eröffnet, kann sich jeder selber vorstellen. Falls das jemand nicht hinkriegt, soll einen Schluck Ovomaltine trinken und es nochmals versuchen (auch wenn's wahrscheinlich auch dann nicht klappen wird)!
Nun hätte ich auch die Schleichwerbung noch platziert und kann jetzt mit mir selber Wetten abschliessen, wer als Erstes auf diesen Beitrag reagieren wird.
Viel Sonnenschein wünscht
Marco Senn
Gedanken am Mittag
Das schöne Wetter erlaubte es mir, diese Woche oft draussen meine Mahlzeit einzunehmen. Wenn man dafür noch ein ruhiges Plätzchen erwischt, kann es duraus passieren, dass man genügend Zeit hat, sich seine Gedanken zu machen und andere Menschen und die Natur zu beobachten. Auch wenn es abstrus erscheint: es gibt im Zürcher Stadtzentrum noch frei lebende Tiere. Damit meine ich aber weder die Ratten in der Kanalisation, noch die zahlreichen Tauben. Zweitere sind zwar in der Innenstadt sichtbar, aber auf dem Lande findet man sie dafür umso selten. Wieso eigentlich?
Wie dem auch sei, ich sass also mit meinem Sandwich in der Hand an der Sihl und beobachtete das bunte Treiben. Diverse Leute verpflegen sich auf die gleiche Weise, sitzend auf einem der vielen Stein- und Holzbänkli (Anmerkung: Ich weiss, Bänkli ist ein Dialektwort. Solche werden wenn immer möglich vermieden, sind manchmal aber nicht wegzudenken. Da Sitzbank allerdings stilistisch unschön wäre, Parkbank im Grunde genommen falsch ist und sowohl Steinflussuferbank als auch Holzflussuferbank wohl in keinem Wörterbuch stehen, muss mangels Alternative hier eine Ausnahme gemacht werden.). Hier sieht man Banker mit Anzug und Krawatte, "normale" Leute aus dem Berufsleben, Schüler, aber auch Leute, ohne grosses Hab und Gut. Ein bunter Mix der Gesellschaft.
Doch es gibt noch mehr zu sehen als nur diese Menschen. An den gurrenden Tauben führt leider auch hier kein Weg vorbei. Ebenfalls häufig trifft man auf Hunde, welche natürlich mit Frauchen und/oder Herrchen unterwegs sind. Die Hunde meist im Wasser, die Begleitperson an Land. Und wenn der Hund aus dem Wasser kommt, ratet mal, wo er sich trocken schüttelt...Nun lassen sich aber auch noch freilebende Tiere beobachten: Fische und Enten. Und hier findet man auch einen Einstieg in eine gedankenversunkene Welt. Ich habe mir überlegt, wie wohl das Leben als Fisch oder Ente wäre. Wer jetzt ein Grinsen auf den Stockzähnen hat, dem sei das nicht verübelt.
Was wäre, wenn ich mein Leben als Fisch verbringen würde. Ich könnte den ganzen Tag lang im Wasser baden. Mich im Fluss treiben lassen oder an Ort und stelle bleiben. Schliesslich bin ich enorm stromlinienförmig. Allerdings wäre kein Landgang mehr geplant. Ein Riesenvorteil wäre aber die Nahrungsbeschaffung. In der Sihl wird genügend Brot hineingeschmissen. Nahrungsnot gibt's keine. Einziger Konkurrent ist die Ente. Doch schneller bin ich, der Fisch! Feinde hab ich fast keine. Reiher sind im Zentrum wohl kaum anzutreffen und diese langweiligen Angler dürfen hier gar nicht angeln, oder? Aber sonst gibt's keine grossen Highlights. Ein bisschen schwimmen und warten, bis die doofen Menschen wieder Futter ins Wasser werfen.
Etwas besser hat's die Ente. Morgens, den Kopf noch tief im Gefieder, stehe ich auf einem Stein und schlafe. Beim ersten Hundegebell werde ich aber hellwach. Angst habe ich keine. Diesen Kötern bin ich im Wasser um Längen überlegen. Quack! Ich lass mich gern den Fluss runter treiben und paddle wieder nach oben. Wenn meine Füsse langsam lahm werden, fliege ich halt eine kurze Strecke. Ich lasse mir meinen Tag durch nichts vermiesen. Ich kann friedlich auf dem Wasser bummeln, einen kurzen Tauchgang wagen. Mein Gefieder ist im Nullkommanix wieder trocken. Sauberkeit ist natürlich auch ein Muss. Mit meinem Schnabel und meinen Füssen putze ich mich immer wieder. Und diese süssen Jungen. Schwimmen sie nicht herrlich hinter Mama her? Wie ich diese Ente liebe. Ich werde ewig mit ihr sein. Futter gibt's hier ja genug. Frag die Fische! - Blubb! - Quack!
Nein, ich brauche keinen Psychiater. Hier handelt es sich nur um gute Beobachtung. Ich empfehle jedem einmal, wenn er ein wenig Zeit hat, sich an einen Teich zu setzen und Enten zu beobachten. Es sind absolut friedliche Tiere, welche eines der wohl schönsten Leben haben. Sie können gehen, schwimmen, tauchen, fliegen, putzen und beschützen ihre Familie um jeden Preis. Und schön anzuschauen sind sie meistens auch (vor allem, während der Balz).
Euer Beobachter
Marco